St. Marien Ottenhausen – Geschichte

ottenhausen

Von den Anfängen bis zur Reformation

Im 8. Jahrhundert begann unter Hatumar, dem ersten Bischof von Paderborn, die Missionierung des sächsischen Wetigaus. Eine der beiden zu diesem Zweck außerhalb des Bischofssitzes eingerichteten Missionszellen befand sich in Steinheim. Von dort aus werden damals auch die Missionare zu den im Bereich des heutigen Ottenhausen lebenden Bewohnern geschickt worden sein.

Auf Bitte des Abtes Bobo schenkt König Arnulf am 20. August 889 die Lehensgüter eines Adeligen namens Hohwart der Abtei Corvey an der Weser. Aber dennoch ist es nicht die Abtei Corvey, von der um 1250 schließlich die Errichtung eines ersten bescheidenen Gotteshauses ausgeht, sondern das Geschlecht der Edelherren zur Lippe, der andere bedeutende Grundherr jener Zeit in Ottenhausen. Auf einem Teil seines Besitzes entstand ein gewölbter spätromanischer Saal mit kleinen Rundfenstern, dessen Eingang auf der Südseite lag. Er hatte eine Länge von 38 Fuß (= 10,94 m), eine Breite von 7,50 m und eine Wandstärke von 1,10 m. Für die Unterhaltung der Kapelle sorgten die Lipper ebenfalls.

Die Reformation fand auch in Ottenhausen Anhänger, allerdings wohl nicht sofort. Ein auftretender evangelischer Prediger hatte, so wird berichtet, die Einwohner schon fast bekehrt, wurde dann aber davongejagt. Schließlich hatte man sich offensichtlich doch dem neuen Glauben zugewandt, wofür nicht zuletzt der Einfluss der protestantisch gewordenen Edelherren zur Lippe als Lehensherren der Kapellengüter entscheidend war. Auseinandersetzungen mit dem katholischen Landesherren in Paderborn waren damit unvermeidlich. Ab ca. 1550 wurde dem Pastor sein Anteil an den Kapellenheuer vorenthalten, ab ca. 1565 auch nicht mehr im katholischen Ritus kommuniziert. Die Kapellengüter betrachtete man jetzt als eigenes Lehen, das man 1568 versetzt (die erste bekannte Erwähnung der Kapelle), 1570 sogar teilweise verkauft hat. Es dauerte aber noch 30 Jahre bis der Pastor Heinrich Filter die meisten Ottenhausener dem alten Glauben wieder zuführen konnte.

1626 bekam die Kapelle eine neue Glocke, welche die Stifterinschrift trug: MARIA + CORT + KLEIMANN + BULEM + ANNO + 1626; Diese Glocke wurde 1901 eingeschmolzen.

 

Zwischen Westfälischen Frieden und Säkularisierung

Ein Schriftstück aus dem Jahr 1672 unterrichtet uns über zu haltenden Seelenmessen, dem der Pastor Höettrup (1695–1712) später eine genaue Liste

angefügt hat. Aus ihr geht hervor, dass die Stiftungen aus einer Kapitalanlage bestanden, aus deren Zinsen der Zelebrant entlohnt wurde. Unter den aufgeführten Verstorbenen finden sich u.a. der Rittmeister Johann Braun, seine Ehefrau Anna Wiedemeyer, seine Söhne und weitere Familienmitglieder. Als besonders angesehene Dorfbewohner wurden sie in der Kapelle bestattet; von den sieben Grabsteinen sind drei von der Familie Glasing.1675 ging man an eine gründliche Instandsetzung, gleichzeitig verlängerte man den Bau etwas nach Westen (um 4 1/2 Fuß) und versah den Dachstuhl mit einem hölzernen Glockenreiter. Der Eingang wurde von der Süd- auf die Westseite verlegt. Über dem neuen Portal brachte man die Inschrift an: (lat. übersetzt: Diese der seligen Jungfrau Maria geweihte Kapelle wurde 1675 renoviert.) Drei Jahre später bekam die Kapelle zu der vorhandenen Glocke, eine zweite, größere hinzu; Johann Braun hatte sie auf eigenen Kosten gießen lassen. Zu den Stiftungen des Rittmeisters gehörten darüber hinaus noch 40 Thaler für mehrere Messen und die Prozession zu Maria Heimsuchung. 1678 musste sich die Gemeinde, da die Beisetzung in Steinheim wegen der Ruhrepidemie nicht mehr gestattet wurde, bei der Kapelle einen eigenen Friedhof anlegen.

Jedenfalls entschloss man sich 1719 zu einer nochmaligen Erweiterung um einen dreiseitigen Chor von 8 Fuß an Länge und gleicher Breite wie das Schiff.

Die Kapelle war jetzt 15 m lang, 7,50 m breit und bis zum Dach 5 m hoch. Über ihre Ausstattung wissen wir kaum etwas. Immerhin hat sich ein Verzeichnis von ca. 1733/35 erhalten, in dem die damals vorhandenen Metallgegenstände und Textilien aufgeführt sind.

 

Das 19. Jahrhundert

Im Jahr 1828 wurde die Kanzel aus der Kapelle entfernt und seitdem wurde vom Altar aus gepredigt. Dieser erhielt zwei Jahre später einen neuen Aufsatz in Renaissanceformen. Bei dem großen Altargemälde handelt es sich um eine 1830 von dem Paderborner Maler J. Bockelmann geschaffene Kopie von Raffaels „Madonna von Foligno“ (1511/12). Allerdings hat der Künstler die Vorlage teilweise verändert, anstelle des Stifters, der zu Ottenhausen keinen Bezug hat, erscheint bei ihm die hl. Katharina mit dem gebrochenen Rad und der Märthyrerpalme. Die übrigen Personen bleiben unverändert. Die Ortsansicht von Foligno wurde durch eine andere ersetzt, die Ottenhausen nicht wirklichkeitsgetreu wiedergibt.

Die Seelenzahl der Gemeinde hatte inzwischen stark zugenommen. Im Jahr 1841/42 war ein neuer Friedhof angelegt worden. Auch die Kapelle selbst verursachte immer wieder Ausgaben außer der Reihe. 1884 war sie außen und innen neu gestrichen worden, 1890 mussten die Bänke repariert werden. Zu dieser Zeit war die Kapelle längst zu klein geworden.

Man entschloss sich 1899 zum Abbruch und zur Errichtung einer neuen, größeren Kirche.

 

Das 20. Jahrhundert

 

 

 

 

Daten der neuen Kirche:

Gesamtlänge: 31 m
Breite im Querhauses: 18 m
Höhe der Gewölbe: bis 10 m
Turmhöhe 31 m
Bauzeit: 17.04.1900 – 15.09.1901

Weihe: 15. September 1901
geplante Baukosten: 40 000 Mark

(Textquellen: Ottenhausener Dorfzeitung, Ausgabe 11. – 13: Die Ottenhauser Kirchengeschichte Teil I. – III., Textauszüge)